Selbstverteidigung für Kinder

Wenn Eltern nach Selbstverteidigung für Kinder suchen, geht es meistens nicht darum, dass ein Kind möglichst viele Schlag-, Tritt- oder Befreiungstechniken lernt.

Die wichtigere Frage lautet: Was hilft einem Kind tatsächlich, wenn es in eine unangenehme oder gefährliche Situation gerät?

Gute Selbstverteidigung für Kinder beginnt deshalb lange vor einer körperlichen Auseinandersetzung. Sie hat mit Aufmerksamkeit, Selbstbehauptung, einem sicheren Auftreten und dem richtigen Einschätzen einer Situation zu tun.

Erst danach kommt der körperliche Teil.

Was bedeutet Selbstverteidigung für Kinder?

Kinder erleben Konflikte anders als Erwachsene. Auch die möglichen Situationen unterscheiden sich deutlich.

Ein Streit mit einem gleichaltrigen Kind auf dem Schulhof ist etwas anderes als eine Bedrohung durch einen Jugendlichen oder Erwachsenen. Genau deshalb sollte Kinder-Selbstverteidigung nicht einfach eine vereinfachte Version eines Erwachsenenprogramms sein.

Ein sinnvolles Training vermittelt mehrere Fähigkeiten:

  • Gefahren und unangenehme Situationen frühzeitig erkennen
  • klare Grenzen setzen
  • selbstbewusst auftreten
  • Abstand halten
  • laut und deutlich reagieren
  • Hilfe holen
  • sich einer Situation entziehen
  • und sich im Ernstfall auch körperlich verteidigen können

Das Ziel ist nicht, aus Kindern kleine Kämpfer zu machen.

Das Ziel ist, ihnen mehr Handlungsmöglichkeiten zu geben.

Selbstbehauptung kommt vor Selbstverteidigung

Ein wesentlicher Bestandteil guter Kinder-Selbstverteidigung ist die Selbstbehauptung.

Viele Konflikte beginnen nicht mit einem Angriff. Sie beginnen mit einem Spruch, einer Provokation, körperlichem Bedrängen oder dem bewussten Überschreiten persönlicher Grenzen.

Ein Kind sollte lernen, deutlich zu zeigen:

Bis hierher und nicht weiter.

 

Dazu gehören Körpersprache, Stimme und Verhalten.

Ein aufrechter Stand, Blickkontakt und eine klare Ansprache können bereits viel verändern. Natürlich verhindert selbstbewusstes Auftreten nicht jeden Konflikt. Es erhöht aber die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind früher reagiert und nicht völlig überrascht wird.

Selbstbehauptung bedeutet dabei nicht, besonders laut oder aggressiv zu sein.

Es bedeutet, die eigenen Grenzen wahrzunehmen und sie klar vertreten zu können.

Warum hundert Selbstverteidigungstechniken wenig helfen

Gerade bei Selbstverteidigung wird häufig mit einer großen Anzahl verschiedener Techniken gearbeitet.

Für Kinder halten wir das für wenig sinnvoll.

Unter Stress bleibt keine Zeit, lange darüber nachzudenken, welche von zwanzig verschiedenen Techniken jetzt die richtige wäre. Bewegungen müssen einfach, nachvollziehbar und möglichst universell einsetzbar sein.

Deshalb ist es wichtiger, grundlegende Fähigkeiten zu entwickeln:

  • Distanzgefühl
  • Reaktion
  • Gleichgewicht
  • Koordination
  • Schutzverhalten
  • Bewegung unter Druck

Diese Grundlagen helfen einem Kind wesentlich mehr als das bloße Auswendiglernen komplizierter Bewegungsabläufe.

 

Selbstverteidigung gegen Gleichaltrige ist etwas anderes

Auch die Verhältnismäßigkeit spielt im Kindertraining eine wichtige Rolle.

Wenn zwei Kinder miteinander streiten oder ein Kind von einem gleichaltrigen Kind geschubst oder festgehalten wird, kann die Lösung nicht darin bestehen, möglichst großen Schaden anzurichten.

Kinder müssen lernen, sich zu schützen und eine Situation zu beenden, ohne unnötig zu eskalieren.

Das verlangt Kontrolle.

Eine gute Selbstverteidigung sollte deshalb nicht nur vermitteln, wie man sich wehren kann, sondern auch, wann und in welchem Ausmaß eine körperliche Reaktion notwendig ist.

Was ist bei Erwachsenen oder deutlich älteren Angreifern?

Hier verändert sich die Situation grundsätzlich.

Ein Kind kann den körperlichen Unterschied zu einem Erwachsenen durch Technik nur begrenzt ausgleichen. Versprechen wie „Mit diesen drei Tricks kann sich jedes Kind gegen jeden Erwachsenen verteidigen“ halten wir deshalb für unseriös.

Gegenüber einem körperlich deutlich überlegenen Angreifer steht etwas anderes im Mittelpunkt:

 

Distanz schaffen, Aufmerksamkeit erzeugen, sich lösen und wegkommen.

 

Wenn eine Möglichkeit zur Flucht besteht, ist Flucht kein Zeichen von Schwäche.

Sie ist in einer solchen Situation häufig die beste Selbstverteidigung.

Kinder sollten deshalb lernen, Situationen nicht als sportlichen Zweikampf zu betrachten. Es gibt keinen Grund, bei einem Angreifer zu bleiben und weiterzukämpfen, wenn man sich in Sicherheit bringen kann.

Hilft Kampfkunst beim Selbstvertrauen?

Das kann sie – wenn das Training entsprechend aufgebaut ist.

Selbstvertrauen entsteht allerdings nicht dadurch, dass einem Kind ständig gesagt wird, wie stark es ist.

Es entwickelt sich vor allem durch Erfahrungen.

Ein Kind merkt beispielsweise:

Ich konnte eine neue Bewegung zuerst nicht und jetzt kann ich sie.

Oder:

Ich habe mich getraut, vor der Gruppe eine Übung zu zeigen.

Oder:

Ich weiß jetzt besser, wie ich reagieren kann, wenn mich jemand bedrängt.

Solche kleinen Fortschritte sind wertvoll.

Gerade deshalb braucht Entwicklung Zeit. Kinder lernen unterschiedlich schnell, sind unterschiedlich mutig und bringen völlig verschiedene Voraussetzungen mit.

Druck ist dabei meistens kontraproduktiv.

 

Was lernen Kinder bei Fit&Fight?

Im Kinder- und Jugendtraining bei Fit&Fight verbinden wir Yong Chun Kung Fu mit altersgerechter Selbstverteidigung.

Dabei geht es unter anderem um:

  • Selbstverteidigung
  • Selbstbehauptung
  • Arm- und Beintechniken
  • Reaktionsfähigkeit
  • Balance und Koordination
  • richtiges Fallen
  • Schutz- und Absicherungsverhalten
  • Fitness und Körpergefühl

Mindestens genauso wichtig sind für uns aber Respekt, Fairness, Disziplin und der Umgang miteinander.

Kinder sollen im Training Kinder bleiben dürfen. Gleichzeitig braucht Kampfkunst gewisse Regeln. Schließlich trainieren die Kinder miteinander, und das muss für alle Beteiligten sicher funktionieren.


Mehr über unser Kinder- und Jugendtraining erfahren

Ab welchem Alter ist Selbstverteidigung sinnvoll?

Eine pauschale Altersgrenze gibt es nicht.

Kinder entwickeln sich unterschiedlich. Konzentrationsfähigkeit, Motorik und die Fähigkeit, Anweisungen umzusetzen, können sich selbst bei gleichaltrigen Kindern deutlich unterscheiden.

Bei Fit&Fight trainieren bereits Kinder ab etwa sechs Jahren. Ob es bei einem jüngeren Kind schon passt, lässt sich am besten bei einem Probetraining feststellen. Danach können unsere Trainer den Eltern eine realistische Einschätzung geben.

Wichtiger als ein möglichst früher Beginn ist, dass das Training zum Entwicklungsstand des Kindes passt.

 

Selbstverteidigung und Kung Fu – passt das zusammen?

Für uns sehr gut.

Kampfkunst bietet wesentlich mehr als einzelne Verteidigungstechniken.

Yong Chun trainiert beispielsweise Körpergefühl, Koordination, Gleichgewicht, Distanz und kontrollierte Bewegungen. Gleichzeitig lernen Kinder über einen längeren Zeitraum, konzentriert mit einem Partner zu arbeiten.

Das schafft eine Grundlage, auf der Selbstverteidigung aufgebaut werden kann.


Mehr erfahren: Was ist Kung Fu?

Woran erkennen Eltern gutes Selbstverteidigungstraining?

Eltern sollten ruhig kritisch nachfragen.

Ein seriöses Kindertraining sollte keine Angst erzeugen und Kindern nicht vermitteln, sie könnten mit ein paar Tricks jede gefährliche Situation beherrschen.

Wir würden unter anderem auf folgende Punkte achten:

  • Das Training sollte altersgerecht sein.
  • Die Trainer sollten erklären können, warum bestimmte Dinge geübt werden.
  • Selbstbehauptung, Aufmerksamkeit und Vermeidung sollten genauso dazugehören wie körperliche Techniken.
  • Die Kinder sollten lernen, kontrolliert miteinander umzugehen.
  • Das Training sollte weder Angst noch falsche Sicherheit erzeugen.

Muss mein Kind schon sportlich sein?

Nein.

Gerade Koordination, Gleichgewicht, Beweglichkeit und Körpergefühl sind Dinge, die durch regelmäßiges Training verbessert werden.

Kinder kommen mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen ins Training. Manche sind sehr sportlich, andere zunächst zurückhaltend oder motorisch noch unsicher.

Das ist kein Problem.

Entscheidend ist nicht, was ein Kind beim ersten Training bereits kann, sondern wie es sich mit der Zeit entwickelt.

Probieren ist besser als lange überlegen

Eltern können viel über verschiedene Kampfsportarten und Selbstverteidigungskonzepte lesen.

Ob sich ein Kind in einer Trainingsgruppe wohlfühlt, lässt sich trotzdem nur schwer am Bildschirm beurteilen.

Deshalb ist ein Probetraining sinnvoll.

Das Kind lernt den Trainer und die Gruppe kennen, kann mitmachen und bekommt einen ersten Eindruck davon, wie das Training tatsächlich abläuft.

Die Eltern können anschließend gemeinsam mit dem Trainer beurteilen, ob das Angebot zum Kind passt.